Gott fürchten, ist das noch aktuell?
Ist Gott nicht ein liebender, guter Gott?
Warum solltest du Angst vor ihm haben?
Was ist eigentlich mit Gottesfurcht gemeint? Was sagt die Bibel dazu? Und warum ist es auch heute noch eine gute Idee, Gott zu fürchten?
All das erfährst du in diesem Beitrag.
The remarkable thing about God is that when you fear God, you fear
Oswald Chambers
nothing else, whereas if you do not fear God, you fear everything else.
Auf Deutsch:
Das Bemerkenswerte an Gott ist:
Wenn du Gott fürchtest, fürchtest du nichts anderes mehr.
Wenn du Gott aber nicht fürchtest, fürchtest du alles andere.
Gott fürchten – Wo steht das in der Bibel?
Etwa 300 Mal spricht die Bibel davon, Gott zu fürchten.
Hebräisch „jir’at Adonai“, griechisch „phobos Theou“.
Doch stimmt das mit unserem modernen Verständnis von Angst oder Furcht überein?
Unsere Wörter bedeuten meist ein negatives Gefühl: Bedrohung, Gefahr, Kontrollverlust oder Panik.
Grundsätzlich gilt: Wenn wir ein Konzept oder ein zentrales Wort in der Bibel nicht gut verstehen, sollten wir die Bedeutung des Wortes in der Originalsprache anschauen.
Das erklärt oft von selbst, was gemeint ist, und klingt dann nicht mehr fremd oder befremdlich.
So ist es auch bei der Liebe, mehr dazu in diesem Beitrag: Gott lieben – Wie geht das?
Schauen wir uns also die hebräischen und griechischen Wörter, die im Originaltext verwendet werden, genauer an:
Hebräisch: jir’at Adonai
Hebräisch: יִרְאַת יְהוָה / יִרְאַת אֲדֹנָי – „jir’at Adonai“.
Das Wort besteht aus zwei Teilen:
- Das Wort יִרְאָה (jir’a) bedeutet Furcht, Ehrfurcht, Respekt, Staunen oder Scheu, je nach Kontext.
Es kann also sowohl „Angst“ im Sinn von Zittern vor Gefahr als auch „Ehrfurcht“ im Sinn von Respekt vor Größe und Heiligkeit bedeuten. - Adonai (אֲדֹנָי) heißt „der Herr“.
Wörtlich übersetzt: „die Furcht des HERRN“, „Ehrfurcht des Herrn“ oder „Ehrfurcht vor dem HERRN“.
In moderner Sprache könnte man sagen:
„Ein tiefes Bewusstsein für Gottes Größe und Heiligkeit.“
Griechisch: phobos Theou
Griechisch: φόβος Θεοῦ – „phobos Theou“.
φόβος (phobos) bedeutet Furcht, Angst, Scheu oder Ehrfurcht.
Θεοῦ (Theou) ist der Genitiv von Θεός (Theos) und heißt „Gott“.
Von hier stammt auch unser Wort „Phobie“.
Im biblischen Kontext ist es jedoch meist positiv gemeint: Ehrfurcht und Respekt.
Wörtlich: „Furcht Gottes“ oder „Ehrfurcht vor Gott“.
Beide Begriffe, hebräisch und griechisch, spannen ein Bedeutungsfeld auf zwischen zwei Polen:
- Angst oder Zittern vor etwas Mächtigem. Gott ist heilig, gerecht und groß.
- Ehrfurcht, Respekt und Vertrauen. Gott ist gut, liebevoll und treu.
Ehrfurcht passt für bestimmte Aspekte der Gottesfurcht, aber nicht für alle, denn das Erzittern, das Staunen und das Erbeben vor Gottes Größe und Heiligkeit sind darin nicht vollständig enthalten.
Zentrale Bibelstellen zur Furcht Gottes
Gott fürchten im Alten Testament
Gottesfurcht im Alten Testament ist wie ein Diamant.
Je nachdem, aus welchem Winkel man ihn betrachtet, leuchtet er anders.
Die Furcht Gottes hat verschiedene Facetten und Bedeutungen, die sich ergänzen und gemeinsam ein ganzes Bild ergeben.
Ich möchte dir vier nennen:
- Begegnung mit dem Heiligen, Erschütterung vor der Heiligkeit (Exodus)
- Bundestreue, Haltung der Liebe und Loyalität (5. Mose)
- Treue trotz Dunkelheit, Treue im Leid (Hiob)
- Gelebte Weisheit, Lebensweisheit (Sprüche)
1. Gottesfurcht als Erzittern und Erbeben vor Gottes Größe und Heiligkeit
Dies ist der zentrale Aspekt der Gottesfurcht für unmittelbare Begegnungen mit Gott.
Die Schlüsselstelle ist die Begegnung mit Gott am Sinai in 2. Mose 19,16.
Und diese Stelle:
Das ganze Volk erlebte, wie es donnerte und blitzte, wie Hörner erklangen und der Berg rauchte. Da bekam das Volk Angst, es zitterte und hielt sich in der Ferne.
2. Mose 20,18–20
Sie sagten zu Mose: Rede du mit uns, dann wollen wir hören. Gott soll nicht mit uns reden, sonst sterben wir.
Da sagte Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht. Gott ist gekommen, um euch auf die Probe zu stellen. Die Furcht vor Ihm soll über euch kommen, damit ihr nicht sündigt.Gottes Heiligkeit ist real, erschütternd und überwältigend.
Die Israeliten wollen nicht, dass Gott mit ihnen redet, weil sie wussten, dass ihre Sündhaftigkeit sie von Seiner Heiligkeit trennt.Das ist Furcht im ursprünglichen Sinn:
das Bewusstsein, dass zwischen göttlicher Heiligkeit und menschlicher Schwäche ein unüberbrückbarer Abstand besteht, der nur durch einen Mittler überwunden werden kann.Hier ist es Mose, vorübergehend. Später überwindet Jesus diese Kluft ein für alle Mal.
Interessant ist, das in der zitierten Stelle zweimal dasselbe Wort für „Furcht“ steht, aber dass jeweils eine andere Art von Furcht gemeint ist:
- „Fürchtet euch nicht.“
Das ist die ängstliche, panische Furcht, eine emotionale Angst, ein Fluchtreflex.
Sie soll überwunden werden.- „Die Furcht soll über euch kommen.“
Das ist die ehrfürchtige, respektvolle, gehorsame Haltung, das Bewusstsein der Heiligkeit.
Sie soll bleiben, um vom Bösen abzuhalten.Was ist mit „auf die Probe stellen“ gemeint?
Die Israeliten sollen lernen, Gott auf die richtige Art zu fürchten.
Sie sollen Ehrfurcht lernen, um nicht leichtfertig zu sündigen.Inwiefern schützt die Ehrfurcht vor Gott davor, zu sündigen?
- Achtung, Respekt, Ehrfurcht vor dem Heiligen.
- Das Bewusstsein: Ich kann und will Gott nicht leichtfertig begegnen, weil ich weiß, wer Er ist.
Das schafft eine innere Grenze, bevor äußeres Fehlverhalten entstehen kann.- Ich nehme Gott ernst und will Ihn nicht missachten.
- Ehrfurcht schützt vor Sünde aus Achtung vor dem Heiligen, nicht aus Angst vor Strafe.
2. Gottesfurcht als Bundestreue, als Haltung der Liebe und Loyalität
Bundestreue ist der zentrale Aspekt der Gottesfurcht für das Volk Israel:
Und nun, Israel, was fordert der HERR, dein Gott, von dir außer dem einen: dass du den HERRN, deinen Gott, fürchtest, indem du auf allen seinen Wegen gehst, Ihn liebst und dem HERRN, deinem Gott, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele dienst; dass du Ihn fürchtest, indem du die Gebote des HERRN und seine Satzungen bewahrst, auf die ich dich heute verpflichte. Dann wird es dir gut gehen.
5. Mose 10,12–13
Was fordert Gott von Israel?
Nur eins: Ihn zu fürchten.
Wie?
- auf all Seinen Wegen gehen
- Ihn lieben
- Ihm mit ganzem Herzen und ganzer Seele dienen
- Seine Gebote und Satzungen bewahren
Warum?
Wenn das Volk dies tut, wird es ihm gut gehen.
Klingt simpel, aber gemeint ist:
Gott segnet Israel. Das Volk erfährt ganzheitliches Wohlergehen – nicht nur äußeren oder materiellen Wohlstand, sondern körperliche, soziale und geistliche Fülle.
Vier Wege, Gott zu fürchten
a) Auf all Seinen Wegen gehen
Was sind Seine Wege?
Die Art, wie Gott handelt: gerecht, barmherzig, treu.
Sich an Gott orientieren, nicht nur theoretisch, sondern praktisch.
Nicht nur äußerer Gehorsam, sondern das Herz und Denken an Ihm ausrichten.
Das ist ein Vorläufer der Nachfolge Jesu im Neuen Testament.
Gottes Wesen und Handeln werden zum Maßstab des eigenen Lebens gemacht.
Im Alten Testament geschieht das kollektiv als Volk Israel, im Neuen Testament persönlich in der Nachfolge Jesu.
b) Ihn lieben
Das wurde bereits in Folge 29 „Gott lieben – wie geht das?“ beschrieben.
Gott lieben heißt, sich Ihm hinzugeben und das Leben ganzheitlich an Ihm auszurichten, Ihm gehorsam zu sein.
c) Ihm mit ganzem Herzen und ganzer Seele dienen
Das Herz steht für Willen, Gefühle und Denken.
Die Seele steht für die ganze Identität des Menschen.
Es geht nicht um Tun im äußeren Sinn, sondern um Dienst aus innerer Hingabe.
Mit allem, was man ist, ohne Halbherzigkeit oder Nebensächlichkeit.
Die eigenen Fähigkeiten und Energie in den Dienst Gottes stellen.
Nicht selektiv dienen, wenn es gerade passt, sondern treu und mit Überzeugung.
In Arbeit, Familie und Alltag Gott als den Herrn sehen, dem man dient.
Worin auch immer eure Arbeit besteht – tut sie mit ganzer Hingabe, denn letztlich dient ihr nicht Menschen, sondern dem Herrn.
Kolosser 3,23 (NGÜ)
Das ganze Leben, Zeit, Kraft und Begabungen gehören Gott.
Das ist Hingabe in Aktion – Liebe, die in Dienst übergeht.
d) Seine Gebote und Satzungen bewahren
Das beschreibt, was man tut, nicht wie man es tut.
„Auf Seinen Wegen gehen“ beschreibt die Haltung, „Gebote bewahren“ das konkrete Handeln.
Gebote (mizwot) sind klare Anweisungen Gottes, was richtig oder falsch ist.
Satzungen (chukkim) sind Ordnungen, die Gottes Lebensordnung ausdrücken.
Zusammen stehen sie für die ganze göttliche Weisung – die konkrete Form des Willens Gottes.
Bewahren bedeutet:
- Gottes Wort ernst nehmen und achten.
- Tun, was Er sagt, auch wenn es unbequem ist.
- Nicht eigenmächtig verändern oder relativieren.
- Darauf achten, dass das eigene Leben Seiner Offenbarung entspricht.
Auf den Punkt gebracht:
Ich tue, was Gott gesagt hat, nicht aus Zwang, sondern weil ich weiß, dass Er recht hat.
| Ausdruck | Schwerpunkt | Bild / Haltung |
|---|---|---|
| „auf allen Seinen Wegen gehen“ | Gottes Charakter nachahmen | So handeln wie Gott handelt |
| „Ihn lieben“ | Beziehung, Zuneigung, innere Verbundenheit | Mein Herz gehört Dir |
| „Ihm mit ganzem Herzen und ganzer Seele dienen“ | Aktive Hingabe, Einsatz, Bereitschaft, zu Seinem Zweck zu leben | Ich stelle mich Dir ganz zur Verfügung |
| „Seine Gebote und Satzungen bewahren“ | Gehorsam, Treue zur Offenbarung | Ich halte fest, was Du gesagt hast |
Gottesfurcht als Festhalten an Gott
Ein paar Verse später heißt es:
Du sollst den HERRN, deinen Gott, fürchten. Ihm sollst du dienen, an Ihm sollst du dich festhalten, bei Seinem Namen sollst du schwören.
5. Mose 10,20–21
Er ist dein Lobgesang, Er ist dein Gott. Für dich hat Er all das Große und Furchterregende getan, das du mit eigenen Augen gesehen hast.
Hier werden drei Aufforderungen genannt:
- Gott dienen
- sich an Ihn festhalten
- bei Seinem Namen schwören
Besonders auffällig ist: „An Ihm sollst du dich festhalten.“
Zuvor wurden konkrete Handlungen beschrieben – was man tun soll, um Gott zu fürchten.
Hier kommt eine innere Dimension hinzu: das Bleiben, Haften, Verbunden-Sein mit Gott selbst.
Das hebräische Verb „dāvaq“ (דָּבַק) bedeutet wörtlich: ankleben, haften, sich anschließen, festhalten, eng verbunden sein.
Interessant ist: Das gleiche Wort wird in 1. Mose 2,24 verwendet –
„… und er wird seiner Frau anhaften (דָּבַק), und sie werden ein Fleisch sein.“
„Dāvaq“ beschreibt also eine intime, dauerhafte, untrennbare Verbindung.
Es meint nicht nur Gehorsam, sondern tiefe Verbundenheit – eine lebendige Beziehung zu Gott.
Gottesfurcht heißt hier: Nähe und Bindung zu Gott, persönliche Hingabe, bleibende Treue.
3. Gottesfurcht als Treue im Leid
Im Lande Uz lebte ein Mann mit Namen Ijob. Dieser Mann war untadelig und rechtschaffen; er fürchtete Gott und mied das Böse.
Hiob 1,1
So beginnt die Geschichte: Hiobs Grundhaltung ist Gottesfurcht.
Der Satan will Hiob auf die Probe stellen. Seine These: Hiob fürchtet Gott nur, weil Gott ihn reich gesegnet hat, mit Familie, Wohlstand und Gesundheit.
Der HERR sprach zum Satan: Hast du auf meinen Knecht Ijob geachtet? Seinesgleichen gibt es nicht auf der Erde: ein Mann untadelig und rechtschaffen, er fürchtet Gott und meidet das Böse.
Hiob 1,8–11
Der Satan antwortete dem HERRN und sagte: Geschieht es ohne Grund, dass Ijob Gott fürchtet?
Bist Du es nicht, der ihn, sein Haus und all das Seine ringsum beschützt? Das Tun seiner Hände hast Du gesegnet; sein Besitz hat sich weit ausgebreitet im Land.
Aber streck nur Deine Hand gegen ihn aus und rühr an all das, was sein ist; wahrhaftig, er wird Dich ins Angesicht segnen.
(Mit „segnen“ ist hier im Hebräischen „verfluchen“ gemeint.)
Satan ist überzeugt: Hiob fürchtet Gott, weil er dafür belohnt wird.
Sobald die Belohnung aufhört, wird er sich von Gott abwenden.
Damit offenbart Satan, dass er den Kern der Gottesfurcht überhaupt nicht versteht.
Er denkt utilitaristisch – so, wie viele Menschen heute:
„Glaube ist nur nützlich, solange er das Leben einfacher macht oder Sinn gibt. Wenn das nicht mehr funktioniert, verliert man ihn.“
Doch bei Gottesfurcht geht es gar nicht um das, was ich davon habe.
Es geht um Gott selbst, um das Anerkennen Seiner Heiligkeit, Seiner Größe, Seiner Autorität.
Gottesfurcht ist theozentrisch, nicht nutzenorientiert.
Satan kann sich nicht vorstellen, dass jemand Gott um Seiner selbst willen ehrt.
Gottesfurcht bedeutet, Gott als den Herrn anzuerkennen. Ihn zu ehren, Ihm zu vertrauen und sich Seiner Größe bewusst zu sein.
Sie stellt mich an meinen Platz: Gott ist der Schöpfer, ich bin das Geschöpf.
Das ist die richtige Ordnung.
4. Gottesfurcht als gelebte Weisheit
Die Furcht des HERRN ist Anfang der Erkenntnis, / nur Toren verachten Weisheit und Erziehung.
Sprüche 1,7
Was ist Weisheit?
Zwischen biblischem und säkularem Verständnis von Weisheit besteht ein großer Unterschied.
Säkulares Verständnis von Weisheit:
Weisheit bedeutet Lebensklugheit, Erfahrung und Besonnenheit. Weisheit wird auf einer rein menschlichen Ebene verstanden.
Sie soll helfen, gute Entscheidungen zu treffen, Konflikte zu vermeiden und ein erfülltes Leben zu führen.
Weisheit beruht auf Beobachtung, Vernunft und Empathie.
Das Problem: „Erfülltes Leben“ bedeutet für jeden etwas anderes. Es gibt keinen Maßstab außer dem eigenen Empfinden und den wechselhaften Urteilen des Menschen.
Biblisches Verständnis von Weisheit:
Weisheit bedeutet, das Leben an Gott auszurichten. Nützlichkeit oder Erfolg sind keine Maßstäbe für Weisheit.
Weisheit ist keine menschliche Einsicht, sondern eine Antwort auf Gottes Ordnung und Autorität.
Weisheit entsteht nicht durch Intelligenz oder Lebenserfahrung, sondern durch Gottesfurcht.
Toll: Die Furcht Gottes macht sogar klug! 🤓
Wie sieht Gottesfurcht als gelebte Weisheit aus?
- Gottesfurcht als gelebte Weisheit ist keine Angst, sondern Respekt und Demut vor Gottes Ordnung.
- Sie zeigt sich darin, im Alltag nach göttlichen Prinzipien zu denken und zu handeln.
- Sie ist eine innere Haltung: Nicht ich bin der Maßstab, Gott ist es.
Praktische Folgen:
Du lebst ein geordnetes Leben, weil du (und damit dein Leben) sich an Gottes Ordnung orientiert.
Früchte (modern würde man sagen „Werte“, obwohl hier nicht nur die moralische Ebene gemeint ist, sondern gemeint sind gelebte Folgen der Beziehung zu Gott): Gerechtigkeit, Maß, Güte, Selbstbeherrschung (innere Freiheit).
Nach außen hin kann beides ganz gleich aussehen (ich werde im Job unfair behandelt, reagiere aber nach außen gelassen und beherrscht, spreche es an, wenn meine Wut verflogen ist).
Aber die innere Haltung ist unterschiedlich: Ich handle so, weil es besser funktioniert (und mich besser dastehen lässt) – oder weil es Gott entspricht.
Der Maßstab ist unterschiedlich: auf der einen Seite persönliche Überzeugung und Erfahrung, gesellschaftliche Normen, auf der anderen Seite Gottesfurcht, in dem Sinne, dass ich Gottes Charakter entsprechend handeln will: Gerechtigkeit, Liebe, Treue.
Gott fürchten im Neuen Testament
Was steht im Neuen Testament? Gibt es Änderungen oder neue Akzente?
Wie verändert sich der „Diamant“ der Gottesfurcht?
Jesus sagt in den Evangelien über zwanzigmal: „Fürchtet euch nicht!“
Doch vieles davon bezieht sich nicht auf die gute, richtige Furcht, also die Gottesfurcht,
sondern auf Angst vor Menschen, Situationen oder der Zukunft.
Zentrale Stelle, an der Jesus über Gottesfurcht spricht:
Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können,
Matthäus 10,28
sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann.
Hier unterscheidet Jesus klar:
- Furcht vor Menschen ist eine fehlgeleitete Angst.
- Furcht vor Gott ist ehrfürchtiges Bewusstsein Seiner Macht und Autorität.
Wie ändert sich Gottesfurcht im Neuen Testament gegenüber dem Alten Testament?
Zwei Aspekte:
a) Gott fürchten: Von kollektiver Bundestreue und Halten der Gebote hin zu persönlicher Beziehung
Inhaltlich ändert sich die Gottesfurcht nicht.
Ehrfurcht bleibt Ehrfurcht, Gott bleibt der Herr, der souverän über das Leben bestimmt.
Aber der Rahmen verändert sich.
Gottesfurcht steht nun nicht mehr im Zusammenhang des Bundes mit Israel, sondern im Rahmen der persönlichen Jüngerschaft.
Sie findet statt in der Beziehung zwischen Vater und Kind, Herr und Jünger.
Es geht weniger um das Halten der Gebote wie im Alten Testament, sondern um die Beziehung zum Vater.
Ehrfurcht bleibt Ehrfurcht, aber sie wird verinnerlicht und persönlicher.
Es geht um mich und meine persönliche Beziehung zu Gott.
Man könnte sagen, dass Gottesfurcht im Neuen Testament individualisiert wird.
Im Alten Testament hieß es: „Fürchtet Gott, damit ihr nicht sündigt“ (2 Mose 20,20).
Im Neuen Testament sagt Jesus: „Fürchtet Gott, damit ihr mutig bleibt.“
Jesus hatte kurz vor der oben zitierten Stelle in Matthäus 10 die zwölf Jünger berufen, ihnen Autorität gegeben und sie ermutigt, furchtlos zu sein.
Die Furcht Gottes wird hier zur Grundlage von Vertrauen und Standhaftigkeit.
b) Gott fürchten: Von äußerer Ordnung zu innerer Freiheit
Gottesfurcht bei Jesus bewahrt den Menschen nicht nur vor Sünde, sondern auch vor Menschenfurcht, Anpassung und Selbstüberhöhung.
Sie wird zu einer Haltung innerer Freiheit:
Wer Gott fürchtet, braucht nichts anderes zu fürchten.
Das ist genau das, was der eingangs zitierte Oswald Chambers meint: Wenn du Gott fürchtest, musst du nichts anderes fürchten. Wer Gott fürchtet, wird frei von allen anderen Ängsten.
Von Angst (Überwältigung) zur Liebe
Zur Erinnerung: Gottesfurcht im Alten Testament war nie bloße Angst im Sinne von Panik.
Sie war eine geheiligte Form von Furcht: Erschütterung, Staunen und Demut angesichts von Gottes Autorität und Heiligkeit.
Jesus relativiert diese Ehrfurcht nicht, sondern füllt sie mit Nähe und Liebe.
Aus der Ehrfurcht eines Volkes vor dem heiligen Gott wird die Ehrfurcht des Kindes vor dem Vater.
Die Distanz fällt weg, doch Ehrfurcht und Heiligkeit bleiben bestehen.
Das ist möglich, weil Jesus durch Seinen Tod am Kreuz die Kluft zwischen dem heiligen Gott und dem sündigen Menschen überwunden hat.
Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, sodass ihr immer noch Furcht haben müsstet,
Römer 8,15
sondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!
Es braucht keine Distanz mehr zwischen Gott und Mensch.
Wir dürfen zu Ihm kommen wie Kinder zu ihrem Vater.
Nicht mehr Abstand in Furcht, sondern Ehrfurcht in Nähe.
Zum Vater hat man keine Distanz, aber Ehrfurcht und Respekt.
Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht.
1. Johannes 4,18
Denn die Furcht rechnet mit Strafe, wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe.
Johannes spricht hier nicht von Ehrfurcht, sondern von Angst. In der Liebe gibt es keine Furcht vor Strafe mehr, aber eine umso tiefere Ehrfurcht vor der Größe dieser Liebe.
Unterschied zwischen Gott lieben und Gott fürchten
Beides bedeutet persönliche Hingabe an Gott, aber auf unterschiedliche Weise.
Gott lieben und Gott fürchten sind keine Gegensätze, sondern sie ergänzen sich gegenseitig.
Gehorsam und Furcht: Wissen, wer Gott ist.
Liebe: Wissen, wie Gott mit mir umgeht.
Furcht beschreibt meine Ausrichtung auf Gott, meine Haltung Ihm gegenüber.
Liebe beschreibt die Beziehung zu Gott, die wechselseitige Verbindung zwischen Ihm und mir.
Beides gehört zusammen.
Liebe zieht mich zu Gott hin.
Furcht bewahrt mich davor, Ihn zu vermenschlichen oder zu entehren.
Liebe bedeutet: Wenn Gott an erster Stelle steht, wenn ich Ihm gehorche und Er mein größter Respekt ist, dann ordnen Gott und Seine Gebote mein Leben, nicht meine eigene menschliche Willkür.
Ehrfurcht betont die innere Grenze und das Bewusstsein: Ich kann und will Gott nicht leichtfertig begegnen, weil ich weiß, wer Er ist.
Liebe zu Gott ordnet das Leben positiv. Sie zieht mich zu Ihm hin.
Ehrfurcht vor Gott schützt das Leben negativ. Sie hält mich davon ab, mich gegen Ihn zu stellen.
Beides gehört zusammen:
Liebe motiviert Gehorsam, Ehrfurcht bewahrt ihn.
Gottesfurcht = Angst vor Gott?
Ich hoffe, es ist deutlich geworden, dass Gottesfurcht nicht bedeutet, Angst vor Gott zu haben.
Auch im Alten Testament bedeutet Gottesfurcht nicht Angst im Sinne von Panik, sondern Erschütterung und Staunen angesichts von Gottes Heiligkeit und Autorität.
Im Neuen Testament weicht dieses Erzittern vor dem fernen, heiligen Gott der Ehrfurcht und dem Respekt vor dem liebenden Vater.
Ist Jesus dein bester Freund oder musst du Ihn fürchten?
Manchmal wird so stark betont, dass Jesus unser Freund ist (besonders, wenn Kinder das Zielpublikum sind), sodass Jesus als Herr nicht mehr vorkommt.
Deshalb schätze ich die Bibelvertonungen von Voice of Hope so sehr (Hörempfehlung: Biblische Geschichten für Kinder – erzählt & erklärt). Dort wird Jesus immer als der Herr bezeichnet. Er wird nicht auf einen lieben menschlichen Kumpel-Freund reduziert.
Jesus ist Freund und Herr.
Freundschaft bedeutet Nähe, Vertrauen, Liebe und Gemeinschaft.
Ich darf zu Ihm kommen.
Ehrfurcht bedeutet, zu erkennen, dass Er Gott ist, nicht nur Gefährte.
Ich beuge mich vor Ihm.
Zu wahrer Jüngerschaft gehört beides: vertraute Liebe und heilige Scheu.
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