Beziehung zu Gott? Das ist nur menschliche Psychologie!

Beziehung zu Gott? Das ist nur menschliche Psychologie!

Als ich zum ersten Mal mit dem lebendigen Glauben in Kontakt kam, war das für mich etwas völlig Neues:

Im Zentrum stehen nicht Liturgie und Sakramente, sondern eine persönliche Beziehung zu Jesus!

Als ich einer guten Freundin davon erzählte, sagte sie: „Persönliche Beziehung zu Gott? Das ist doch nur menschliche Psychologie!“

Was sie meinte: Ist alles eingebildet, die Beziehung zu Jesus findet nur im menschlichen Kopf statt. Und überhaupt gibt es keinen Gott, keinen Jesus, keinen Heiligen Geist. Und die Bibel ist von Menschen geschrieben, die Macht ausüben wollen.

Was steht hinter der Behauptung, die persönliche Beziehung zu Gott sei bloße menschliche Psychologie? Wie kann man als gläubiger Mensch auf sie reagieren? Ist es möglich, sie zu widerlegen und wenn ja, wie?

Gespräch mit Blinden

Ich kann nachvollziehen, dass der christliche Glaube von außen so wirken kann, als sei alles Einbildung und Psychologie.

Allerdings ist es von innen komplett anders.

Das ist gerade das Schwierige:

Jemandem, der etwas überhaupt nicht kennt, von dem zu erzählen, was er überhaupt nicht kennt.

Das ist so, als würde man einem Blinden versuchen zu erklären, wie Gelb, Rot, Blau aussehen.

Das steht schon in der Bibel:

Wer von den Menschen kennt den Menschen, wenn nicht der Geist des Menschen, der in ihm ist? So erkennt auch keiner Gott – nur der Geist Gottes.
Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott stammt, damit wir das erkennen, was uns von Gott geschenkt worden ist.
Davon reden wir auch, nicht mit Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt, sondern wie der Geist sie lehrt, indem wir geistliche Dinge für geistliche Menschen deuten.
Der irdisch gesinnte Mensch aber erfasst nicht, was vom Geist Gottes kommt. Torheit ist es für ihn und er kann es nicht verstehen, weil es nur mit Hilfe des Geistes beurteilt werden kann.
Der geisterfüllte Mensch aber urteilt über alles, ihn selbst vermag niemand zu beurteilen.
Denn wer begreift den Geist des Herrn? Wer kann ihn belehren? Wir aber haben den Geist Christi.

1 Kor 2,11-16

Die Erkenntnis Gottes ist an den Geist Gottes gebunden. Und den hat man erst, wenn man an Gott glaubt.

Das ist ein bisschen wie mit der Henne und dem Ei. 🐔🥚

Ohne den Geist bleibt die Botschaft unzugänglich oder wirkt irrational oder sogar dumm:

Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft.

1 Kor 1,18

Aber ist das nicht, wie jemand auf Reddit über Theologie schrieb, eine Zirkelschluss-Wissenschaft? Ist das nicht selbst induzierte Gehirnwäsche?

Wäre es, wenn der Geist Gottes nicht real wäre.

Und ich, wie Millionen anderer Menschen, habe erlebt, dass er real ist. Im Moment der Bekehrung verändert sich real etwas. Diese Veränderung kommt von außen und nicht aus mir selbst.

Sie geschieht durch Gott und nicht durch mich. Ich bin Sünder.

Wie kann Ordnung und Gutes durch mich kommen?

Aber hier sind wir bereits in der christlichen Terminologie und Weltsicht, die Skeptiker, Atheisten und Agnostiker kaum überzeugen wird.

Also von Anfang an…

Gottesbeziehung ist nur „menschliche Psychologie“ – was ist damit gemeint?

Eigentlich wollte ich ganz simpel schreiben:

  • Trost
  • Hoffnung
  • Liebe
  • Ordnung, Weisung, Orientierung

Und frage Chatti nach weiteren Punkten (und bat ihn dabei wie immer, knapp zu antworten und mir am Ende NICHT die Erstellung eines PDFs vorzuschlagen).

Er gab mir einen ganzen Blumenstrauß an Deutungsmodellen, wie die persönliche Beziehung zu Gott psychologisch, also inner-menschlich, verstanden werden kann.

Die 🌸🌺🌷🌹🌻🌼🪻🏵️ sind im Einzelnen nicht so wichtig. Entscheidend ist ihre gemeinsame Basis. Ich zitiere Chattis Fazit:

Die „persönliche Beziehung zu Jesus“ ist phänomenologisch echt, aber ontologisch nicht relational (kein reales Gegenüber), sondern vollständig erklärbar durch interne Prozesse: Bindung, Kognition, Emotion, soziale Prägung.“

Aha, die Gottesbeziehung lässt sich also auf Bindung, Kognition, Emotion und soziale Prägung zurückführen.

Schauen wir uns das genauer an:

Bindung

Der Mensch hat ein Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit. Er stellt sich ein Gegenüber vor, das ihn beschützt und liebt.

In unserem Fall ist das Jesus.

In der Folge erlebt der Mensch innere Sicherheit und führt diese wiederum auf Jesus zurück.

Kognition

Der Mensch ordnet seine Gedanken, deutet sie und gibt ihnen eine Stimme: Jesus.

In der Folge werden rein menschliche Gedanken, Eindrücke oder Impulse als Kommunikation mit Jesus verstanden.

Emotion

Der Mensch fühlt Trost, Frieden, Freude, Schuld oder Erleichterung und verknüpft sie mit Jesus: „Er tröstet mich“, „Er vergibt mir“.

Soziale Prägung

Noch besser funktioniert das alles, wenn der Mensch schon als Kind lernt, wie man über Jesus denkt, spricht und diese Beziehung erlebt.

Dann kann er gar nicht anders, als Gefühle, Gedanken und Bindung auf Jesus zurückzuführen.

Quintessenz: Ursache und Wirkung werden verwechselt. Es ist alles Konstruktion!

Alles, was gläubige Menschen auf Gott zurückführen, ist in Wirklichkeit nicht transzendent (von Gott kommend), sondern immanent (vom Menschen kommend).

Die Bibel ist nicht mehr als die niedergeschriebene Essenz dieser falschen Transzendenz-Logik.

Gegenposition: Die persönliche Beziehung zu Jesus ist echt!

Manchmal greifen Christen zur Umkehr der Beweislast und sagen:

„Nicht wir müssen beweisen, dass es Gott gibt. Beweist ihr doch, dass es Ihn NICHT gibt!“

Auf unser Thema bezogen hieße es:

„Beweist ihr doch, dass der Trost und die Freiheit NICHT von Gott kommen!“

Klingt auf den ersten Blick gewitzt, bringt uns jedoch nicht wirklich weiter, denn es steht Aussage gegen Aussage.

Ich möchte stattdessen auf andere Aspekte eingehen:

Ein Leben in Beziehung mit Jesus ist ein geordnetes Leben

Mein Leben war chaotisch und ohne Halt, bevor ich es Jesus gegeben habe.

Seit ich es unter Seiner Weisung führe, ist es geordnet, reich und von Seinem Licht erfüllt.

Mehr darüber erfährst du in diesen Episoden:

Wenn ich die Leben von nicht gläubigen Menschen anschaue, sehe ich dasselbe, was vorher mein Leben geprägt hat:

  • Unfrieden
  • rastloses Suchen
  • Selbstsucht

Klingt ziemlich von oben herab, ich weiß.

Soll es aber überhaupt nicht sein, denn ich war ganz genau so und noch schlimmer.

Wenn ich jetzt anders bin, habe ich das allein Jesus zu verdanken.

Was meine ich mit Unfrieden, rastlosem Suchen und Selbstsucht?

Drei Beispiele:

  • Ehen und Beziehungen (wer heiratet denn heute noch?) sind nicht von der Liebe Gottes getragen, sondern von der Selbstbezogenheit der Partner. Das führt dazu, dass Finanzen penibel getrennt werden, um sich die eigene „Unabhängigkeit“ zu bewahren. Oder dass Paare nur noch zusammen sind, weil sie sich die Miete für getrennte Wohnungen mit ihren Gehältern nicht leisten können.
  • Alleinstehende, die partout keinen Partner finden, weil sie einerseits „zu wenig Selbstliebe“ haben und andererseits nicht bereit sind, zu geben. Wie bei meiner russischen Freundin, die zwar einen gut verdienenden Mann wollte, der sie versorgt, aber keine Lust hatte, für ihn zu kochen.
  • Menschen, die versuchen, ihre innere Leere mit weltlichen Dinge zu füllen: Konsum, Arbeit, Familie, Alkohol, Essen – you name it. So wie eine andere Freundin, die nach der Geburt ihre Sohnes eine Karriere als Bodybuilderin begann und zehn Jahre später immer noch Fotos ihres Hinterteils nach dem Booty-Workout auf Insta teilt. 🍑(Mehr über eine christliche Sicht auf Essverhalten und Gewicht erfährst du hier: Du willst frei werden? Dann hör auf, dich selbst retten zu wollen. (Eine christliche Sicht auf Essverhalten))

Mit all dem möchte ich nicht sagen, dass Christen keine Probleme haben und ein ideales Leben führen.

Der Unterschied zu Menschen in der Welt ist aber, dass gläubige Menschen ihre Probleme an Gott geben können und dass Er ihnen einen Weg zeigt und Frieden und Trost spendet.

Ein gutes Beispiel dafür ist Paulus: Er saß ständig im Gefängnis, aber anstatt sich zu beschweren, pries er Gott.

Wie zum Beispiel in Philippi, hier hatte er einer Magd den Wahrsagegeist ausgetrieben, wodurch ihre Besitzer Geld verloren und ihn deshalb anklagten:

Da erhob sich das Volk gegen sie und die obersten Beamten ließen ihnen die Kleider vom Leib reißen und befahlen, sie mit Ruten zu schlagen.
Sie ließen ihnen viele Schläge geben und sie ins Gefängnis werfen; dem Gefängniswärter gaben sie Befehl, sie in sicherem Gewahrsam zu halten.
Auf diesen Befehl hin warf er sie in das innere Gefängnis und schloss ihre Füße in den Block.
Um Mitternacht beteten Paulus und Silas und sangen Loblieder; und die Gefangenen hörten ihnen zu.

Apg 16,22-25

Paulus drückt das im Brief an die Philipper so aus:

Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!
Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren.

Phil 4,6-7

Wir sind Sünder und können das Gute nicht aus uns selbst heraus erkennen oder schaffen

Das Gute, Ordnung, Liebe, die Früchte des Geistes, wie die Bibel sie nennt (im säkularen Kontext würde man von Tugenden sprechen) sind nicht immanent, sondern transzendent.

Das bedeutet, dass sie nicht aus dem Menschen kommen, sondern von Gott. Genauer gesagt, von Gottes Geist, der im Menschen wohnt, wenn er sich bekehrt und sein Leben Jesus gegeben hat.

Wie du vielleicht weißt, habe ich Philosophie studiert. Mein Schwerpunkt war theoretische Philosophie, aber ich habe auch viele Seminare zu praktischer Philosophie besucht.

Sehr vereinfach gesagt dreht sich praktische Philosophie um die Frage, was gut und was schlecht ist, wie wir das wissen bzw. begründen können.

Es gibt verschiedene Ansätze:

  • Utilitarismus: das ist gut, das den meisten nützt oder Glück bringt (Utilitarismus)
  • Konsequenzialismus bzw. Folgen- oder Nutzenethik: das ist gut, das gute Konsequenzen hat
  • Gesinnungsethik: das ist gut, das gute Absichten hat

All diesen Theorien gemein ist, dass keine von ihnen eine letztgültige, widerspruchsfreie Grundlage für das Gute liefern kann.

Überhaupt ist der Begründungsweg eigentümlich:

Es wird so getan, als wüssten wir nicht, was „gut“ ist. Kulturelle Prägungen und persönliche Erfahrungen werden ausgeblendet, um dann gewissermaßen bei null anzufangen und das Gute rein a priori, also unabhängig von Erfahrung, so selbstverständlich wie „1+1=2“, herzuleiten.

Im Grund genommen hatte ich bei allen philosophischen Ansätzen den Eindruck, dass kluge Menschen sich den Kopf darüber zerbrechen, etwas zu begründen, das sich mit rein menschlichen Mitteln letztlich gar nicht begründen lässt.

Andererseits scheint jeder Mensch intuitiv zu wissen, was gut und was schlecht ist.

Menschen streiten über richtig und falsch, als gäbe es einen echten, verbindlichen Maßstab. Sie entschuldigen sich, sie rechtfertigen sich, sie klagen andere an. Dieses Verhalten ergibt nur Sinn, wenn wir stillschweigend davon ausgehen, dass es mehr gibt als bloße Meinungen – nämlich einen objektiven Maßstab für Gut und Böse.

Ein einfaches Beispiel mit den Protagonisten Hans und Berta:

Hans kommt zu spät zu einer Verabredung. Er entschuldigt sich und versucht, sich zu rechtfertigen. Berta hingegen klagt ihn an: „Warum lässt du mich warten? Du solltest pünktlich sein.“

Beide verhalten sich so, als gäbe es einen verbindlichen Maßstab für richtiges Verhalten. Sie behandeln die Situation nicht als neutral oder beliebig, sondern als etwas, das tatsächlich richtig oder falsch sein kann.

Und dabei geht es hier nur um eine scheinbar kleine Sache wie Pünktlichkeit, nicht um schwerwiegendere Dinge wie Lüge, Betrug oder Unrecht.

Dieses alltägliche Verhalten weist darauf hin, dass wir alle von einem objektiven Verständnis des Guten ausgehen. „Gut“ ist dabei nicht einfach das, was jemand gerade dafür hält, sondern ein vollkommener Maßstab, an dem wir uns, bewusst oder unbewusst, orientieren.

Doch ein solcher objektiver Maßstab setzt einen vollkommenen Ursprung voraus. Denn aus etwas Unvollkommenem kann nichts Vollkommenes hervorgehen. Wenn der Mensch selbst begrenzt, fehlbar und widersprüchlich ist, kann er keinen absoluten Maßstab des Guten aus sich selbst hervorbringen.

Das Gute ist daher nichts, das der Mensch erzeugt, sondern etwas, das er empfängt und im besten Fall widerspiegelt.

Ähnlich verhält es sich mit der Wahrheit. Wenn Menschen sagen: „Jeder hat seine eigene Wahrheit“, setzen sie damit bereits voraus, dass es so etwas wie Wahrheit gibt und widersprechen sich zugleich.

Denn „wahr“ bedeutet gerade, dass eine Aussage gilt und nicht beliebig durch andere ersetzt werden kann.

Oder anders gesagt: Wer behauptet „Alles ist relativ“, formuliert selbst einen Anspruch auf absolute Gültigkeit und widerlegt damit die eigene Aussage.

Aber gut, das ist alles sehr theoretisch und Philosophen diskutieren darüber seit Platon.

Ich finde es mittlerweile viel interessanter und aufschlussreicher, ganz praktisch ins echte Leben zu schauen.

Nehmen wir mal die Liebe.

Im christlichen Verständnis gibt es verschiedene Arten von Liebe. Die höchste Form der Liebe ist die Agape-Liebe: Die selbstlose, bedingungslose Liebe, die nicht den eigenen Vorteil sucht, sondern das Wohl des anderen, unabhängig von Gefühlen oder Gegenleistung.

Christen, die wirklich glauben und in Jesus neugeboren sind, sind anders als andere Menschen. Durch den Prozess der Heiligung werden sie Gott ähnlicher und bekommen mehr und mehr die Fähigkeit, so zu lieben, wie Gott liebt.

Schön ausgedrückt wird das in diesem Lied:

Nicht-Gläubige würden sagen, dass Christen sich das einreden.

Paulus beschreibt die Agape-Liebe so:

Die Liebe ist langmütig, / die Liebe ist gütig. / Sie ereifert sich nicht, / sie prahlt nicht, / sie bläht sich nicht auf.
Sie handelt nicht ungehörig, / sucht nicht ihren Vorteil, / lässt sich nicht zum Zorn reizen, / trägt das Böse nicht nach.
Sie freut sich nicht über das Unrecht, / sondern freut sich an der Wahrheit.
Sie erträgt alles, / glaubt alles, / hofft alles, / hält allem stand.
Die Liebe hört niemals auf. / Prophetisches Reden hat ein Ende, / Zungenrede verstummt, / Erkenntnis vergeht.

1 Kor 13,4-8

Wenn das alles nur Gehirnwäsche und Einbildung ist, dann versuch doch mal, dir einzureden, so zu sein, wie dieser Text es sagt.

Na, klappt es?