Wenn ich erzähle, dass ich drei Podcasts habe, reagieren die meisten erst einmal sehr interessiert und neugierig.
„Worüber sind deine Podcasts?“
Minimalismus – Begeisterung.
Emotionales Essen – Begeisterung steigt.
Christlicher Glaube – Hier entgleist das Gesicht. Selbst auf höfliche Nachfragen wird verzichtet.
Und wenn Menschen, die mich schon länger kennen, erfahren, dass ich Christin geworden bin, kommen Sätze wie: „Wer hat dich gebrainwasht?“
Oder es entsteht betretene Stille, wenn ich einer Freundin sage, dass ich für sie bete.
Hätte ich einen Podcast über Schamanismus oder Buddhismus, ich wette, die Reaktionen wären komplett anders: „Ach ja? Oh, wie interessant!“
In dieser Folge möchte ich untersuchen, warum der christliche Glaube so unbeliebt ist und was die Ursachen dafür sind.
6 Gründe für die Unbeliebtheit des christlichen Glaubens
1. Erfahrungen mit Kirche und Gemeinde (Großkirchen)
Wenn ich an meine Erfahrungen mit Kirche als Kind und Jugendliche denke, fallen mir als erstes diese Dinge ein:
- Langweilige alte Leute, die in der ersten Reihe sitzen, um von anderen Menschen gesehen zu werden;
- Menschen mittleren Alters, die sich schick anziehen, um von anderen Menschen gesehen zu werden;
- Gruppenzwang: ein generelles „das macht man eben so“, zum Beispiel bei der ersten Beichte vor der Erstkommunion;
- Unterordnung unter Autorität, ohne zu wissen, warum und ohne einen Nutzen davon zu haben;
- Angst: Gott sieht alles (und bestraft mich); die Architektur, das Dunkle, Düstere von Kirchen (denk mal an den Kölner Dom!) – und damit auch von der christlichen Religion.
Summa summarum: Der christliche Glaube hat nichts mit meinem Leben zu tun. Auf der einen Seite gibt es die Kirche und auf der anderen Seite gibt es mein Leben, meinen Alltag mit all seinen Sorgen, Problemen, Wünschen und Sehnsüchten.
Zwischen beiden gibt es keine Berührungspunkte.
Es dauerte dreißig Jahre, bis ich meinen Mann und über ihn den lebendigen Glauben kennenlernte, und erfuhr, dass es nicht so sein muss. Dass es ganz anders sein kann.
Bis dahin traf ich keinen einzigen Menschen, der mir von Jesus erzählt hätte und davon, wie Er das Leben auf den Kopf stellen kann, wenn man Ihm die Führung gibt.
#spreadthegospel ✝️📣👣
2. Kirche ist abgehoben und altbacken
Weihnachten 2025 war ich in der Christmette in einem Städtchen bei Osnabrück. Die Fürbitten (und der ganze Rest) klangen haargenau wie in der einer beliebigen Messe aus der Meppener Propsteikirche im Jahr 1994.
Ist es da ein Wunder, dass Menschen gar nicht auf die Idee kommen, dass das, was der Pastor im immer gleichen Singsang vorträgt oder singt und was die Gemeinde antwortet, irgendetwas mit ihnen und ihrem Leben zu tun hat?
Das Problem liegt zum einen auf der sprachlichen Ebene:
- viele christliche Fachbegriffe wirken antiquiert und kompliziert: Sünde, Gnade, Erlösung…
…und auf der inhaltlichen Ebene:
Was hat das in der Kirche Gesagte zu tun mit…
- meinem Verhältnis zu meiner Mutter oder zu meinen Geschwistern
- Einsamkeit
- Entscheidungsschwierigkeiten (Soll ich kündigen oder nicht? Soll ich ein Haus kaufen oder nicht?)
- Alltagsstress
- Überessen
- Geldproblemen
- depressiven Phasen
- Ärger mit meinem Kind
- usw.
?
Und dann gibt es Gott. Er sieht alles. Ich komme in die Hölle, wenn ich etwas Böses tue. Irgendwie gibt es da noch Jesus. Ihm müssen wir ewig dankbar sein. Er ist „für unsere Sünden am Kreuz gestorben“. Und deswegen gehen wir jeden Sonntag in die Kirche. An einigen Extratagen gibt es etwas extra. Weihnachten und Ostern. Ach ja, und an Karfreitag gibt es kein Fleisch und keine Süßigkeiten und am Aschermittwoch ist Karneval vorbei und wir laufen mit einem schwarzen Aschekreuz auf der Stirn herum.
Zwei verschiedene Welten, die einander nicht überkreuzen. Außer an den Extratagen, da gibt es Geschenke.
Ach ja, und Gott darf mit kleinen Dingen nicht belästigt werden. Nur mit großen, „geistlichen“ Dingen. Krankheiten, Tod, Geburt.
Aber bei der Job- oder Partnersuche, Kindererziehung oder finanziellen Entscheidungen hört es schon auf. Ich bin auf mich und den Rat von anderen angewiesen.
Ganz zu schweigen von anderen, „unwichtigeren“ Dingen:
- einen Parkplatz suchen und finden;
- rechtzeitig und ohne Stress die Kinder zur Schule bringen;
- ein Rezept nachkochen und etwas Essbares zustande bringen;
- geduldig und liebevoll sein, obwohl man eigentlich innerlich kocht (weil das Rezept doch nicht gelingt oder aus anderen Gründen 🤣);
- …
3. Halbwissen
Viele Menschen in Deutschland und generell im Westen denken, dass sie den christlichen Glauben kennen.
Dabei handelt es sich im besten Fall um gefährliches Halbwissen.
Die Geschichten von Jesus hat jeder schon so oft gehört. Aber hat schon einmal über ihre Bedeutung nachgedacht?
Ich glaube, dass es gerade dieses Halbwissen ist, das abschreckt. Religionen, über die man gar nichts weiß und mit denen man keine Erfahrungen gemacht hat, steht man positiver oder zumindest neutral gegenüber.
Geh doch mal in die Fußgängerzone und frag Menschen nach dem Kern des christlichen Glaubens.
Ich wette, die meisten sagen, als Christ muss man gute Taten tun. Dann kommt man in den Himmel.
🥴
Der christliche Glaube wird als Regelwerk oder Leistungssystem wahrgenommen.
Oh weh! Das trifft nun mal so gar nicht den Kern. Das, was den christlichen Glauben von allen anderen Religionen oder Glaubenssystemen unterscheidet, ist gerade, dass wir nichts tun können oder müssen, sondern dass Jesus bereits alles für uns getan hat.
Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.
Mt 11,28-30
Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.
Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.
Deswegen die Freude. Deswegen die Dankbarkeit.
Heute hat mein Mann ein altes Weihnachtslied auf Ukrainisch übersetzt und durch KI singen lassen. Ich kenne dieses Lied, seit ich denken kann. Aber jetzt mir ist zum ersten Mal der Text aufgefallen:
„O du fröhliche, o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Welt ging verloren, Christ ist geboren:
Freue, freue dich, o Christenheit!O du fröhliche, o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Christ ist erschienen, uns zu versühnen:
Freue, freue dich, o Christenheit!“
Das ist der Punkt!
Beim christlichen Glauben geht es nicht um Angst, gute Taten oder „die Leute“, sondern um Freude! Dazu weiter unten mehr.
4. Missbrauchsskandale
Die Missbrauchsskandale der letzten Jahre haben den Ruf des christlichen Glaubens noch weiter verschlechtert und viele Menschen dazu gebracht, aus der katholischen oder evangelischen Kirche auszutreten.
Das ist einerseits verständlich und andererseits Quatsch, denn einzelne Menschen und Gemeinden dürfen nicht mit dem Glauben verwechselt werden.
Anders gesagt: Nur, weil jemand Christ ist, ist er nicht automatisch ein besserer Mensch. Er sollte sich zwar bemühen, aber man kann von außen ja ohnehin nicht beurteilen, ob die Person wirklich glaubt oder nur nomineller Christ ist.
5. Radikal und weltfremd
Es gibt viele weltliche Themen, bei denen der christliche Glaube als radikal oder weltfremd wahrgenommen wird: Frauen dürfen keine Priester sein, Sexualität gehört in die Ehe, Fragen zu Homosexualität, Abtreibung etc.
Und theologische Themen scheinen unverständlich und hoffnungslos veraltet, etwa die Schöpfung der Welt durch Gott(vs. Urknall und Evolutionstheorie), die Jungfräulichkeit Marias, das Verständnis der Bibel als Wort Gottes oder der Anspruch, dass der christliche Glaube die Wahrheit ist und damit andere Religionen falsch oder unwahr sind.
Diese Positionen wurden ursprünglich von der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland vertreten, werden aber in den letzten Jahren zunehmend aufgeweicht.
Oft, um moderner zu wirken, sich dem Zeitgeist anzupassen und endlich mal wieder ein bisschen beliebter zu werden.
Nicht die allerbeste Idee:
Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.
Joh 15,18–19
Außerdem erreichen die Kirchen mit Queer-Gottesdiensten und anderen Anbiederungen an den Zeitgeist nicht unbedingt mehr Menschen, im Gegenteil.
Damit geht genau das verloren, was den Glauben aus der Masse heraushebt, aus dem Welt-Einerlei.
Die Radikalität des lebendigen Glaubens geht verloren.
6. Glaube ist altmodisch
Wir sind doch aufgeklärt und haben die Wissenschaft! Die Wissenschaft kann (bald) (alles) empirisch erklären!
Wofür brauchen wir dann noch Gott oder Religion? Das ist doch etwas für Naturvölker oder für Zurückgebliebene oder arme und kranke Menschen.
Interessant ist, dass das fast jeder unterschreiben würde, wenn es um das Christentum geht. Aber wenn man an Begriffe wie das Universum, Karma, gute oder schlechte Energie, Schicksal, Meditation, Achtsamkeit oder Selbstverwirklichung denkt, würde dann wirklich noch jeder sagen, dass wir all das nicht brauchen, weil die Wissenschaft die Welt rational erklären kann?
Was dabei oft außer Acht gelassen wird, ist, dass auch das wissenschaftliche oder säkulare oder atheistische bzw. agnostische Weltbild selbst ein Glaube ist. Es ist kein als richtig bewiesenes Weltbild, wie es von säkularen Atheisten oder Empiristen, etwa Richard Dawkins, häufig dargestellt wird.
Fazit: Warum ist der christliche Glaube so unbeliebt?
Die zentralen Punkte:
- Der christliche Glaube (oder treffender, „die christliche Religion“) hat nichts mit dem Leben von Menschen zu tun.
- Viele Menschen halten den christlichen Glauben für weltfremden, altmodischen Quatsch und Aberglauben.
- Glaube bringt nichts, hat keinen Nutzen!
Das Gegenteil ist wahr.
Der Glaube und die Bibel geben ein festes Fundament, das nichts ins Wanken bringen kann.
Sie geben Wahrheit und Orientierung in einer Welt, die beides nicht geben kann, weil in der Welt alles schwankend ist, sich verändert und menschengemacht ist.
In der christlichen Sicht ist die Welt gefallen. Deshalb heißt es in Stille Nacht, heilige Nacht, dass die Welt verloren ging.
Die Bibel ist „the owner’s manual for my mind and my heart“ (Tim Keller). Sie ist eine Bedienungsanleitung für deinen Verstand, deinen Geist und dein Herz.
Sie hat mit allem zu tun, was dein Leben und deinen Alltag betrifft.
Auf jede noch so kleine und unbedeutende Frage findest du Antwort in der Schrift und in der Führung durch den Heiligen Geist, der in dir wohnt, wenn du dich bekehrst und dein Leben Jesus gibst.
Nichts könnte falscher sein als die Idee, dass Gott nur für große oder wichtige Dinge zuständig ist.
Du bekommst ein neues Herz. Du wirst zu einem neuen Menschen, zu einer neuen Schöpfung im Herrn:
Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
2 Kor 5,17
Dann wird auch klar, wie sehr alle Versuche, dich selbst zu retten, zum Scheitern verurteilt sind, weil du nicht über dein Menschsein mit seiner Selbstbezüglichkeit hinauskommst.
Wenn ich heute zurückblicke, wie ich noch vor zwei Jahren war, überlaufen mich Schauer.
Dieses neue Herz und diese neue Schöpfung sind nur mit und durch Jesus möglich.
Er hat die Trennung zwischen Gott und den Menschen überwunden durch Seinen Tod und Seine Auferstehung.
Das entspricht auch der Aussage im Lied, dass Christus erschienen ist, um uns zu versühnen.
Mehr dazu kannst du hier nachlesen:
Wenn du nicht Gott anbetest, betest du etwas anderes an. Jeder Mensch hat einen Götzen.
Gott füllt die Leere, die du in deinem Herzen hast. Alles rastlose Streben und Suchen kommt zur Ruhe.
Glaube schenkt dir Frieden und Freiheit, wie die Welt sie dir nicht geben kann.
Was ich euch zurücklasse, ist Frieden: Ich gebe euch meinen Frieden, einen Frieden, wie ihn die Welt nicht geben kann.
Joh 14,27 NGÜ
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- YouTube-Kanal meines Mannes: МІСЦЕ ПОКЛОНІННЯ (dt. Ort der Anbetung)
